Was ist ein Motivationsschreiben?

Jeder kennt das übliche Bewerbungsschreiben. Ein Motivationsschreiben ist jedoch noch nicht jedem ein Begriff, denn es ist kein vorgeschriebenes Mindestbestandteil einer Bewerbung, sondern ein zusätzliches, freiwilliges Add on. Man nennt es umgangssprachlich die “Dritte Seite” einer Bewerbung.

Bei einem Motivationsschreiben, ist der Inhalt persönlicher und tiefgründiger verfasst als bei einem Bewerbungsschreiben, welches eher formal aufgebaut ist. Was drinstehen sollte, wie es aufgebaut wird, welchen Umfang es haben sollte/darf und wann man ein solches Schreiben zur Bewerbung beifügt, schauen wir uns genauer an.

Der Inhalt

Der Personaler soll durch das Motivationsschreiben davon überzeugt werden, dass Sie die richtige Wahl für die Stelle sind. Das heißt, Sie motivieren ihn dazu, Sie kennenlernen zu wollen. Hierfür werden die passenden Argumente benötigt. Da diese jedoch nicht immer direkt greifbar sind und es einem selbst meist schwerfällt, sich persönlich zu beschreiben, nenne wir Ihnen hier vier Fragen mit denen Sie einen guten Inhalt für ein Motivationsschreiben formulieren können.

  • Was sind meine Stärken?
    Hier stellen Sie sich selbst die Frage, was sie besonders gut kennen und wieso Ihre Kenntnisse zu dem Studium, Praktikum oder Unternehmen passen. Bieten Sie die passenden Stärken, ist dies eine gute Motivation, Sie einzustellen.
  • Welche Erfahrungen bringe ich mit?
    Wenn Sie bereits in einer ähnlichen oder vergleichbaren Branche tätig waren und Kenntnisse gesammelt haben, sind nähere Informationen hierrüber sehr geeignet. Auch eine ehrenamtliche Tätigkeit oder ein Hobby, kann für Sie sprechen und die Motivation des Personalers zu fördern.
  • Welche beruflichen Ziele habe ich?
    Hier müssen Sie sich die Frage stellen, was Sie beruflich erreichen möchten. Diese Frage zu beantworten, fällt den meisten ziemlich leicht. Wollen Sie viele Fachkenntnisse erwerben oder wählen Sie eher die „schnelle Karriereleiter“? Dass man viel Geld verdienen möchte, ist jedem bewusst. Diesen Aspekt sollten Sie nicht als Ziel in Ihr Motivationsschreiben einbringen.
  • Wieso gerade dieses Unternehmen?
    Das Motivationsschreiben soll kein „Lob“ an das Unternehmen sein, sondern Ihre Persönlichkeit darstellen. Betonen Sie daher eher, wieso Sie in diesem Unternehmen arbeiten möchten und wieso Ihnen ein mittelständisches Unternehmen besser gefällt als ein großer Konzern.

Diese vier Fragen dienen lediglich als eine kleine Hilfestellung, falls Ihnen das Verfassen des Schreibens schwerfällt. Sie können auch andere Argumente verwenden, welche wir hier nicht aufgeführt haben, jedoch Ihre Persönlichkeit beschreiben. Die Verbindung zwischen Ihnen und dem Unternehmen sollte hergestellt werden können. Dann ist in diesem Schreiben (fast) alles erlaubt.

Der Aufbau und Umfang

Das Motivationsschreiben sollte in der Regel nicht länger als eine DIN A-4 Seite, in Ausnahmefällen zwei DIN A-4 Seiten, unterschreiten. Dem Unternehmen soll ein schneller Überblick ermöglicht werden. Hier möchte niemand einen „Roman“ zu lesen bekommen.

Verfassen Sie das Schreiben als Fließtext, sollten Sie für eine gute Lesbarkeit sorgen und sinnvolle Absätze einfügen. Das Anschreiben beinhaltet einen Briefkopf mit Namen, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse von Ihnen. Den Empfänger müssen Sie in diesem Schreiben nicht unbedingt einfügen. Ebenso ist das Datum rechtsbündig zu vermerken. Die Anrede ist persönlich zu verfassen, z. B. „Sehr geehrter Herr Müller…“. Am Ende des Schreibens unterschreiben Sie handschriftlich über Ihrem gedruckten Namen.

Um bereits zu Beginn des Schreibens die Neugier zu wecken, können Sie beispielsweise folgende „Überschriften“ verwenden:

  • Warum sollten Sie mich einstellen?
  • Was Sie über mich wissen sollten
  • Das zeichnet mich aus
  • Warum bin ich die richte Wahl
  • Was mir persönlich wichtig ist

Sie können sich selbstverständlich eine andere passende „Überschrift“ überlegen oder sie sogar auslassen.

Die Einleitung

Der erste Satz Ihres Schreibens ist tatsächlich der (fast) der Wichtigste. Dieser muss die Neugier wecken und begeistern und kann somit viel entscheiden. Daher sollten Sie beispielsweise die Formulierung „Hiermit bewerbe ich mich…“ nicht verwenden. Dieser Einleitungssatz ist zu vorhersehbar und alltäglich. Ebenso die gewöhnlichen Floskeln, wie „ich interessiere mich sehr…“ oder „mit großer Neugier…“, haben ihren Zweck erfüllt und sind nichts Besonderes. Überlegen Sie sich daher einen eigenen Einleitungssatz und kommen Sie in diesem bereits auf den Punkt.

Beispiele:

  • Das Fach xxxxx ist vielseitig und bietet mir eine große Herausforderung, darum möchte ich dieses Fach studieren.
  • Meine Stärken sind vor allem die Zuverlässigkeit und das eigenständige Arbeiten. Diese Fähigkeiten konnte ich bisher als xxxxx erfolgreich beweisen.


Der Hauptteil

In diesem Teil sollten Sie die Inhalte aus dem Anschreiben nicht erneut wiederholen. Im Gegenteil. Sie sollten die Punkte, welche vielleicht im Anschreiben nicht ausführlich erläutert wurden, besonders hervorheben, Ihre Qualifikationen und persönlichen Werte ansprechen und auf sich aufmerksam machen.

Fragen, welche Sie im Motivationsschreiben beantworte sollten:

  • Warum sollte ich gefördert werden?
  • Warum passe ich perfekt auf die Position?
  • Was begeistert mich an der Stelle?
  • Warum will ich diese Stelle?
  • Was biete ich, was vielleicht nicht jeder bietet?
  • Wieso ist dieser Schritt für meine weitere Entwicklung so wichtig?

Der Schluss

Auch hier gilt, wie zu Beginn, keine Floskeln auszuwählen, welche einfach, banal und alltäglich sind. Sie wollen Ihre Aussagen unterstreichen, sodass ein Schlusssatz wie „Ich freue mich von Ihnen zu hören.“ oder „Über eine Einladung zu einem Gespräch würde ich mich freuen.“, nicht verwendet werden sollte. Reagieren Sie anders und stellen Sie am Ende noch eine direkte Frage, wie „Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf ein persönliches Gespräch.“. So wirken Sie auch zum Schluss noch überzeugend und wecken Neugier.

Andere Variante

Liegt Ihnen das Verfassen eines Textes nicht besonders gut, haben Sie die Möglichkeit das Motivationsschreiben auch in Stichpunkte aufzugliedern. So teilen Sie alles durch mehrere Überschriften, wie „Stärken“ und „Ziele“, auf und zählen diese in knappen Worten auf. Ein kleiner Nachteil bei dieser Variante ist jedoch, dass man hier nicht so tiefgründig beschreiben und begründen kann wie im Fließtext.

Wann brauche ich ein Motivationsschreiben?

Ein Motivationsschreiben kann für die Bewerbung auf ein Stipendium, Studium oder Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz verfasst werden.

Ein Stipendium wird beispielsweise nach verschiedenen Kriterien vergeben. Somit sollte man sich vor der Bewerbung genau mit den Kriterien auseinandersetzen. Hier kann ein Motivationsschreiben also sinnvoll und fördernd, bei der Entscheidung zur Vergabe, sein.

Auch bei einem Studium wollen Sie als idealer Bewerber wahrgenommen werden. Beschreiben Sie Ihre Stärken, beruflichen Ziele und wieso das Studium zu Ihnen passt und hinterlassen Sie so einen bleibenden Eindruck.

Bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz wird eher selten nach einem Motivationsschreiben gefragt. Sofern Sie nicht über 20 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Aufgabengebieten verfügen, wird erwartet, dass Sie die Informationen und Ihre Fähigkeiten bereits im Anschreiben darlegen können. Von manchen Unternehmen wird jedoch trotzdem ein Motivationsschreiben verlangt, wie zum Beispiel bei einer Bewerbung um ein Praktikumsplatz.

Fehler vermeiden

  • Oft wird bei Motivationsschreiben der Fehler begangen und das Schreiben ist zu lang. Sie sollten sich an die Richtlinie von einer DIN A-4 Seite halten.
  • Nehmen Sie Bezug auf die Fähigkeiten, welche mit dem Job in Verbindung gebracht werden können und „unterschlagen“ Sie unerhebliche Details.
  • Rechtfertigen Sie sich nicht. Betonen Sie stattdessen den Mehrwert, den Sie schaffen können.
  • Wiederholen Sie sich nicht, sondern bieten Sie eine vielseitige „Auflistung“ Ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten.

BEISPIEL für ein Motivationsschreiben im Fließtext

WARUM ICH DER RICHTIGE BEWERBER FÜR DIESE STELLE BIN!

Sehr geehrte Frau Mustermann,

meine Stärken konnte ich bereits bei meiner derzeitigen Beschäftigung unter Beweis stellen. Seit dem Jahr XY bin ich im Bereich des Vertriebes von Versicherungen zuständig. Ich möchte meine Möglichkeiten ausloten und mich für die Zukunft weiterentwickeln. Ihre Stellenbeschreibung deckt sich voll und ganz mit meinen Vorstellungen und wäre für mich ein großer Schritt.

Durch meine Berufserfahrung und diverse Fortbildungen, habe ich die nötigen Fachkenntnisse erlangt, welche ich tagtäglich erfolgreich anwende. Die von Ihnen beschriebenen Arbeitsweisen sind mir bestens vertraut, sodass keine lange Einarbeitung erforderlich ist. Was auf beiden Seiten für einen leichten und guten Start in die neue Stelle bietet.

Nicht nur die fachlichen Kenntnisse zeichnen mich aus. Vor allem mein Teamgeist und der Spaß an der Zusammenarbeit mit Menschen, passen perfekt ist das Berufsbild. Ich sehe meinen Beruf als Berufung an und nicht einfach nur als „Arbeit, die erledigt werden muss“.

Ich habe bereits Vieles über Ihrer Organisation gehört, was bei mir positive Hoffnungen weckt. Ich erwarte mir von der neuen Stelle persönliche sowie fachliche Weiterentwicklung und berufliche Herausforderungen. Ein Team, das Hand in Hand zusammenarbeitet und gemeinsam neue Ideen zur besseren Gestaltung des Alltages und zur Abwicklung komplizierterer Fälle entwickelt, ist für mich ebenso ein sehr wichtiger Aspekt.

Ich habe mit diesem Schreiben Ihr Interesse geweckt und Sie erkennen mein Interesse an der Stelle? Dann freue ich mich auf ein persönliches Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen

Beispiel für ein Motivationsschreiben in Stichworten

DAS ZEICHNET MICH AUS​

Sehr geehrter Herr Mustermann,

meinen langjährigen Beruf als XYZ bezeichne ich gleichzeitig als meine große Leidenschaft. Während meiner jahrelangen Berufserfahrung habe ich mich stets weiterentwickelt und neue Kenntnisse erlangen können. Ihre Stellenausschreibung deckt sich genau mit meinen Vorstellungen für einen neuen Lebensabschnitt und stellt für mich eine neue Herausforderung dar.

Meine Stärken

  • Ich habe hohen Anspruch an sorgfältiges und präzises Arbeiten.
  • Ich beende meine Arbeiten stets fristgerecht.
  • Komplexe Probleme analysiere ich durch meine Kenntnisse schnell.
  • Für Neues bin ich stehts aufgeschlossen und bereit mich weiterzuentwickeln.

Meine Erfahrungen

  • 3-jährige Position als Teamleitung.
  • Mehrjährige Tätigkeit im Bereich Projektmanagement.
  • Verwaltung und Verantwortung über ein bestimmtes Budget.

Meine Erfolge

  • Beförderung zum XY, nach nur zwei Jahren.
  • Auszeichnung im Bereich Projektmanagement.

Meine Interessen

  • Dauerhafte Weiterentwicklung, sowohl persönlich als auch fachlich.
  • Qualifizierung zum XY.
  • Übernahme von Verantwortung, auch für Mitarbeiter.

Für mich ist es an der Zeit den nächsten Schritt zu gehen und meine Zukunft weiter auszubauen. Haben Sie Interesse an einem persönlichen Gespräch? Dann freue ich mich über ein positives Feedback und eine Einladung zum Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen

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